SUPERSPORTREIFEN IM VERGLEICHSTEST


An den Start zum Sportreifen-Test 2016 rollen die für dieses Jahr neu entwickelten Sohlen von Bridgestone (S 21), Continental (Sport Attack 3) und Pirelli (Diablo Rosso III). Außerdem steigen die etablierten Pellen von Dunlop (Sportsmart 2), Metzeler (M7 RR) und Michelin (Power 3) in den Ring. Sämtliche Reifen (vorn 120/70, hinten 190/55) durchlaufen dasselbe Prozedere: Kaltlaufeigenschaften checken, sportliches Landstraßenbolzen auf dem rennstreckenartigen Rundkurs simulieren, auf der Nassstrecke den schmalen Grat zwischen Grip und Abflug ausloten, Rundenzeitenglühen auf nasser und trockener Strecke. Letzteres dient jedoch lediglich zur Orientierung, denn für richtig flotte Runden gibt es geeigneteres straßenzugelassenes Material, Stichwort Hypersportreifen. Dennoch ist es erstaunlich, was einige der Sohlen auf der Piste draufhaben.


Reifendruck im Test

Zumal diese Pellen keine Reifenwärmer benötigen und schon nach kurzer Zeit ordentlichen Grip liefern. Daher geben wir in den einzelnen Kästen den von den Herstellern empfohlenen (gesenkten) Rennstrecken-Luftdruck für den Kaltzustand an. Grundsätzlich bietet ein niedrigerer Luftdruck mehr Aufstandsfläche („Latsch“) und damit mehr Haftung. Dazu verbessert sich die Eigendämpfung. Und weil der Gummi stärker walkt, wärmt er sich auch schneller auf. Außer bei der Zeitenhatz fühlen wir den Pellen jedoch mit einheitlich vorgeschriebenen 2,5/2,9 bar (vorn/hinten) auf die Flanken.

Um es vorwegzunehmen: Auch dieses Jahr gibt es nicht den alles überragenden, die Konkurrenz in sämtlichen Disziplinen pulverisierenden Gummi. Dennoch hat sich ein echter Alleskönner herausgebildet – zumindest nach unserer bewährten Punktewertung. Wer die Präferenzen anders setzt, pickt sich einfach die für ihn relevanten Kriterien heraus und kürt seinen eigenen Lieblingsreifen.

In den folgenden Abschnitten berichten wir über positive wie negative Auffälligkeiten der Gummis.


Kaltlaufverhalten

Hier gibt sich keiner eine echte Blöße. Die meisten Probanden vermitteln schon ab dem ersten Meter ein sehr gutes Gefühl und wärmen sich ruck,zuck auf. Zumindest bei Asphalttemperaturen zwischen 25 und 36 Grad, die zum Testzeitpunkt herrschen. Lediglich die Reifen von Bridgestone und Dunlop brauchen dafür einige Kurven mehr und wirken anfangs etwas hölzern.

Handling

Klare Überflieger in diesem Kapitel sind Bridgestone und Conti. Einfach herrlich, mit welch geringem Kraftaufwand die Test-Yamaha R1 auf diesen Sohlen abwinkelt. Kurzer Zug am Lenker, leichter Schenkeldruck, schon stürmt das Bike in die Ecken und der Spaßfaktor steigt ins Unermessliche. Traditionell braucht die Rosso-Serie von Pirelli dafür einen Tick mehr Druck, was ihrer hohen Stabilität geschuldet ist. Dennoch lässt sich die R1 auch auf dem italienischen Gummi mit überschaubarem Aufwand durchs Runde dirigieren. Auf den Dunlops biegt die Yamaha trotz der geringsten Reifenbreite am Vorderrad etwas unwillig in die Ecken und tendiert am Kurvenausgang zu weiten Bögen. Nicht tragisch, aber im direkten Vergleich spürbar. Die Pellen von Metzeler und Michelin belegen das sehr gute Mittelfeld.

Zielgenauigkeit

Die absolute Paradedisziplin des Bridgestone S 21. Schlicht sensationell, wie messerscharf der Pneu die Linie trifft: Kurve anvisieren, durchpfeilen, fertig. Selbst auf der Bremse lasert die Test-Yamaha millimetergenau durch die Ecken. Dicht dahinter folgt der Metzeler, dann der Conti. Auf den Sohlen von Michelin und Pirelli schießt die R1 ebenfalls präzise durchs Geläuf, lediglich der Dunlop wirkt beim Einlenken leicht indifferent.

Stabilität

Hier brilliert der Rosso III von Pirelli. Nichts bringt diesen Reifen aus der Ruhe, selbst harte Brems- oder Beschleunigungsattacken steckt er unbeeindruckt weg und hält das Bike eisern auf Kurs. Diese Stabilität schafft immenses Vertrauen und optimiert Brems- wie Beschleunigungspunkte. Nach einem sehr guten Mittelfeld folgen Dunlop und Michelin. Letzerer verformt sich bei voller Attacke hinten stark, wodurch die Testmaschine aus dem Heck heraus zu rühren beginnt. Ein Anheben des Luftdrucks von den empfohlenen 1,9 bar auf 2,5 bar bringt deutliche Besserung. Trotzdem herrscht noch immer viel Bewegung im Gebälk. Renntempo verträgt der Michelin ­Power 3 nicht, sportliches Landstraßentempo funktioniert aber problemlos.

Grip

Diese Übung haben alle drauf – fast. Denn auch hier lässt der Michelin bei voller Belastung einige Federn. Obwohl er sich mit 48 Grad Reifentemperatur (Hinterrad) nicht stärker aufheizt als die Konkurrenz, reißt der Grip vergleichsweise früh ab. Die Folge: bisweilen kernige Slides. Der Sportsmart 2 von Dunlop macht das etwas besser, dennoch beginnt auch er zeitiger zu rutschen als die starken Mitbewerber. Immerhin vermittelt der Gummi die Haftgrenze sehr klar, und die Slides fallen sanft und gleichmäßig aus. Die restlichen Marken liefern für diesen Reifentyp erstklassigen Grip und überstehen selbst Renntempo klaglos – Weltklasse!

Verhalten im Grenzbereich

Bis auf den Michelin, dessen Haftung einen Tick markiger abreißt als bei der Konkurrenz, gibt’s in diesem Kapitel nicht viel zu vermelden. Gripverlust geht bei allen anderen meist mit kurzen, gutmütigen Slides einher. Jedenfalls dann, wenn der Pilot das Gas am Kurvenausgang gefühlvoll aufzieht. Keine Gewähr übernehmen wir für Grobmotoriker, die den Hahn im Scheitelpunkt voll spannen.

Aufstellmoment beim Bremsen

Durchweg problemlos bei allen Marken. Leichtes Aufstellen lediglich bei Dunlop und Michelin.

Feedback

Die beste Rückmeldung liefern Bridgestone, Metzeler und Pirelli. Bei ihnen spürt der Pilot klar und deutlich, was der Asphalt hergibt. Diese Transparenz bringt Sicherheit und damit Speed. Nur hauchdünn dahinter der Conti, der ebenfalls ein sehr ordentliches Feedback liefert. Leichte Abstriche bei Dunlop und Michelin.

Nasstest

Hier zählen besonders Grip, Feedback und das Verhalten im Grenzbereich. Eindeutiger Sieger in allen drei Kriterien: Michelin. Großartig, wie souverän der Power 3 übers Wasser gleitet, die Haftgrenze andeutet und sanft zu sliden beginnt, wenn der Pilot diese überschreitet. Mit etwas Abstand folgt der Metzeler M7 RR, der diese Übung ebenfalls sehr ordentlich meistert. Und, man höre und staune: Auch der Pirelli Diablo Rosso schlägt sich neuerdings im Nassen sehr achtbar. Ferner überzeugt der Sport Attack 3. Conti hat seine jüngste Pelle endlich wasserfest gemacht. Die Schlusslichter bilden Bridgestone und Dunlop.

Finale

Die Rasch-Hour geht zu Ende und zeigt einmal mehr, wie viel Fortschritt und Dynamik im Reifenmarkt stecken. Doch obwohl sich die Hersteller nach Kräften bemühen, ist der Kauf auch immer ein Kompromiss. Der ist aber gering wie nie. Herrliche Zeiten!


Daten

Bridgestone S21

Dimension vorn: 120/70-ZR 17
hinten: 190/55-ZR 17

Gewicht v./h.: 4,24/6,95 kg

effektive Reifenbreite v./h.: 118/192 mm

Herstellungsland: Japan

 

max. Punkte   Punkte

Ergebnis Trockentest                  200      183

Ergebnis Nässetest                      100       75

Gesamtsumme                            300      258

PLATZIERUNG                              3. 

Fazit: Bridgestone hat den Nachfolger des S 20 Evo kompromisslos auf Trocken-Performance abgestimmt. Folgerichtig sichert er sich dort gemeinsam mit dem Metzeler M7 RR den obersten Podestplatz. Die Stärken des S 21 liegen im leichtfüßigen Handling, der messerscharfen Zielgenauigkeit – auch auf der Bremse – und der hohen Stabilität. Weil das tierisch Laune bereitet, ist er bei sportlicher Gangart unsere erste Wahl. Im Kaltzustand wirkt der Bridgestone dagegen etwas sperrig, und bei Nässe liegt er klar hinter den Besten: vergleichsweise wenig Grip, maues Feedback, schmaler Grenzbereich. Letztlich landet der S 21 auf Platzdrei.


Continental Sport Attack 3

Dimension vorn: 120/70-ZR 17
hinten: 190/55-ZR 17 

Gewicht v./h.: 4,32/6,52 kg

effektive Reifenbreite v./h.: 119/188 mm

Herstellungsland: Deutschland

 

max. Punkte   Punkte

Ergebnis Trockentest             200                  179

Ergebnis Nässetest                 100                  79  

Gesamtsumme                       300                 258

PLATZIERUNG                         3.

Fazit: Conti zielt mit dem Sport Attack 3 stärker auf ein besseres Nassfahrverhalten. Der Unterschied ist bemerkenswert, der Abstand zur Spitze geringer. Dennoch fehlt ihm dorthin noch ein gutes Stück, Stichworte Grip, Feedback und Verhalten im Grenzbereich. Dazu winkelt er bei trockenen Verhältnissen nicht ganz so zackig und zielgenau ab wie seine Vorgänger, die in diesen Disziplinen brillierten. Die Hannoveraner schufen mit dem komplett neu entwickelten „Dreier“ einen guten Allrounder, der allerdings in keiner Kategorie mehr ein Alleinstellungsmerkmal aufweist. Unterm Strich teilt er sich mit dem Bridgestone brav Platz drei. 


Dunlop Sportsmart 2

Dimension vorn: 120/70-ZR 17
hinten: 190/55-ZR 17 

Gewicht v./h.: 4,36/7,19 kg

effektive Reifenbreite v./h.: 111/195 mm

Herstellungsland: Frankreich

 

max. Punkte    Punkte

Ergebnis Trockentest                           200                     157

Ergebnis Nässetest                              100                      72

Gesamtsumme                                     300                     229

PLATZIERUNG                                       6.

Fazit: Vorletzter Rang im Trockenen, bei Nässe trägt der Dunlop gar die rote Laterne. Der Sportsmart 2 geht 2016 ins dritte Jahr und tut sich gegen die teils brandaktuelle Konkurrenz schwer. Besonders beim sportlichen Fahren kommen die Unterschiede zum Tragen: etwas trägeres Einlenken, nicht so präzise wie die Spitze, spürbares Aufstellmoment beim Bremsen, etwas weniger Grip. Immerhin kündigen sich Slides rechtzeitig an und der Pilot spürt, wann er vom Gas muss. Bei Nässe liefert der Sportsmart 2 dagegen ein leicht diffuses Feedback. Immerhin zählt er bei der Bremsverzögerung im Nassen zu den Besten.


Metzeler M7 RR, (vorn "M")

Dimension vorn: 120/70-ZR 17
hinten: 190/55-ZR 17

Gewicht v./h.: 4,15/6,99 kg 

effektive Reifenbreite v./h.: 117/189 mm 

Herstellungsland: Deutschland

 

 

max. Punkte    Punkte

Ergebnis Trockentest                  200             183

Ergebnis Nässetest                      100             84

Gesamtsumme                            300            267

PLATZIERUNG                              1.

Fazit: Ein erster Platz im Trockenen (gemeinsam mit dem Bridgestone) und ein zweiter bei Nässe ergibt unterm Strich den deutlichen Testsieg. Der M7 RR zeigt weder bei trockenen noch nassen Bedingungen Schwächen und kann selbst Rennstrecke richtig gut. Letzteres beweist er eindrücklich mit der Bestzeit. In den einzelnen Kriterien ist er den jeweiligen Spezialisten dicht auf den Fersen, steht oft gar auf der gleichen Stufe. Das ist auch deshalb beachtlich, weil er, wie der Dunlop, schon im dritten Jahr durchs Revier räubert. Der Metzeler ist ein brandheißer Tipp für sportliche Treiber und unser Lieblings-Allrounder 2016!


Michelin Power 3

 

Dimension vorn: 120/70-ZR 17
hinten: 190/55-ZR 17 

Gewicht v./h.: 4,22/6,61 kg

effektive Reifenbreite v./h.: 118/189 mm

Herstellungsland: Spanien

 

max. Punkte    Punkte

Ergebnis Trockentest                           200                     156

Ergebnis Nässetest                               100                      89

Gesamtsumme                                     300                     245

PLATZIERUNG                                       5.

Fazit: Ein Reifen mit großem Unterschied zwischen der Trocken- und der Nassperformance. Sportliches Landstraßenfräsen steckt er zwar sehr ordentlich weg. Auf der Piste streicht er jedoch die Segel: vergleichsweise überschaubare Haftungsreserven, geringe Stabilität. Ein von 1,9 bar (Hersteller-Empfehlung) auf 2,5 bar angehobener Luftdruck (Hinterrad) bringt zwar Besserung, der Unterschied zur Spitze ist dennoch groß. Dafür glänzt der Power 3 im Nassen. Bester Grip, tolles Feedback und gutmütiges Grenzbereichsverhalten küren ihn zum Regengott. Eine gute Pelle für den etwas gemäßigteren sportlichen Auftritt.


Pirelli Diablo Rosso 3

 

Dimension vorn: 120/70-ZR 17
hinten: 190/55-ZR 17 

Gewicht v./h.: 4,24/6,58 kg

effektive Reifenbreite v./h.: 118/189 mm

Herstellungsland: Deutschland

 

max. Punkte    Punkte

Ergebnis Trockentest                     200          181

Ergebnis Nässetest                         100          82

Gesamtsumme                               300         263

PLATZIERUNG                                2.

Fazit: Beim Entwickeln des Rosso III achteten die Italiener auf eine gute Kalt- und Nasshaftung. Beides ist ihnen hervorragend gelungen, was dem Pirelli ein breiteres Einsatzspektrum als seinen Vorgängern sichert. Seinen sehr sportlichen Charakter hat er dabei erfreulicherweise behalten. Herausragend ist die fesselnde Stabilität, selbst härteste Attacken steckt die Pelle souverän weg. Beim Trockentest fehlen ihm lediglich zwei Pünktchen auf die beiden Leader, was aufs Konto des nach wie vor etwas trägeren Handlings geht. Im Nassen belegt der Rosso III ebenfalls einen guten dritten Platz, wodurch er insgesamt auf Rang zwei landet.


Wasserwelten

Auf dem gleichmäßig bewässerten Nasshandling-Kurs in Mireval trennt sich die Gummi-Spreu vom Weizen und klärt die Frage, ob Wasserrakete oder Wasserpfeife. Obwohl die Strecke nur gut 1,6 Kilometer misst, liegen zwischen dem schnellsten Reifen (Michelin Power 3) und dem langsamsten (Bridgestone S 21) satte 3,5 Sekunden. Das Diagramm unten verdeutlicht die Unterschiede.

Die blaue Linie steht für den Michelin, die rote markiert den Bridgestone. Nahezu an jeder Stelle des Kurses liegt der Power 3 deutlich vorn. Den Referenzbereich (siehe rechts und unten) bildet eine gleichmäßige, ewig lange Rechtskurve, wo sich die Tester perfekt an die Haftgrenze herantasten können. Mit durchschnittlich 76,2 km/h Speed und 30,6 Grad Schräglage schenkt der Michelin dem japanischen Gummi ordentlich ein, der auf der Suche nach Grip mit 73,2 km/h und 28,8 Grad Schräglage durch die Kurve irrt. Den besten Wasserstoff liefert klar Michelin, der Bridgestone zieht Trockenkurse den Wasserspielen vor.

Alles frisch?

Früher oder später sind die alten Schlappen abgenudelt und neue müssen her. Hat man sich für Marke und Typ entschieden, sollen es doch bitte Gummis mit möglichst aktuellem Produktionsdatum sein. Doch ist die Qualität älterer Pellen wirklich schlechter? Hersteller und Händler meinen unisono: nein! Das wundert nicht, schließlich wollen sie auch Altware an den Mann bringen. Bei korrekter Lagerung (dunkel, kühl, keine direkte Sonneneinstrahlung, kein UV-und Infrarotlicht) sollen Reifen locker mehrere Jahre ohne Qualitätseinbußen überstehen.

Wir machten die Probe aufs Exempel und jagten stellvertretend für sportliche Pneus den Metzeler Racetec Interact in K3-Mischung um die Piste. Eine Paarung stammt aus unserem Lager, die andere steuerte Metzeler bei. „Unser“ Vorderreifen wurde in der vierten Woche 2012 produziert, hat also schon über vier Jahre auf dem Buckel. Das jüngere Exemplar vom Hersteller stammt aus der 36. Woche 2015. Die hinteren Gummis unterscheiden sich im Produktionsdatum dagegen kaum (46. beziehungsweise 47. Woche 2013). Eine jüngere Pelle konnte Metzeler nicht liefern, die Produktion wurde vor einiger Zeit eingestellt. Doch nun zur alles entscheidenden Frage: Gab es Unterschiede zwischen den Reifen?

Wir machten die Probe aufs Exempel und jagten stellvertretend für sportliche Pneus den Metzeler Racetec Interact in K3-Mischung um die Piste. Eine Paarung stammt aus unserem Lager, die andere steuerte Metzeler bei. „Unser“ Vorderreifen wurde in der vierten Woche 2012 produziert, hat also schon über vier Jahre auf dem Buckel. Das jüngere Exemplar vom Hersteller stammt aus der 36. Woche 2015. Die hinteren Gummis unterscheiden sich im Produktionsdatum dagegen kaum (46. beziehungsweise 47. Woche 2013). Eine jüngere Pelle konnte Metzeler nicht liefern, die Produktion wurde vor einiger Zeit eingestellt. Doch nun zur alles entscheidenden Frage: Gab es Unterschiede zwischen den Reifen?

So testet PS

Als Testbike diente eine Yamaha YZF-R1. Den Funktionstest im Trockenen absolvierten wir auf dem gut drei Kilometer langen, rennstreckenähnlichen Rundkurs auf dem Gelände von Dunlop im südfranzösischen Mireval. Den Nasstest führten wir ebenfalls auf diesem Gelände durch. Folgende Kriterien haben wir bewertet:

Kaltlaufverhalten Wie lange benötigt ein Reifen, bis er auf Betriebstemperatur ist, wie fühlt er sich beim Aufwärmen an?

Handling Welche Lenkkraft wird benötigt, um das Bike in Schräglage zu bringen oder es in langsamen/schnellen Wechselkurven auf Linie zu halten?

Zielgenauigkeit* Sie wird in unterschiedlich schnellen Passagen mit verschiedenen ­Kurvenradien ermittelt und gibt darüber Auskunft, wie das Motorrad dem gewünschten Kurs folgt, der über die Lenkkräfte vorgegeben wird. Sind deutliche Linienkorrekturen erforderlich?stabilität Wie stabil bleibt das Motorrad beim Beschleunigen und Bremsen? Leitet der Reifen Unruhe ins Fahrwerk? Die Stabilität wird auch in unterschiedlichen Geschwindigkeitsbereichen in Schräglage getestet, in der sich Reifen beim Heraus­powern aufschaukeln können.

Grip* Das ist die Summe der Gesamthaftung eines Reifens. Er besteht aus der Seitenführung in maximaler Schräglage auf nassem und trockenem Asphalt sowie der Haftung beim Beschleunigen auf der Geraden und aus Kurven heraus. Eine Gratwanderung, die nur eine abgesperrte Strecke ermöglicht.

Verhalten im grenzbereich* Wie gut lässt sich ein Reifen im Grenzbereich der Haftung beherrschen?

Aufstellmoment Beim Bremsen in Schräglage richtet sich das Motorrad je nach Verzögerung und Reifenkontur unterschiedlich auf. Diese Reaktion muss vom Fahrer mit einer Gegenkraft (drücken) am kurven-inneren Lenkerende ausgeglichen werden.

Feedback Welche Rückmeldung liefert ein Reifen an den Piloten? Je klarer das Feedback, desto einfacher kann im Grenzbereich gefahren werden.


*Die mit Stern gekennzeichneten Kapitel sind auf Motorräder übertragbar, die eine ähnliche Geometrie wie die Yamaha YZF-R1 besitzen.